Wissen

Technik · · 10 Min. Lesezeit

Sicherheit und Normen bei Reinigungsrobotern: CE, EN IEC 63327 und das Kleingedruckte

Wenn ein Reinigungsroboter in die Ausschreibung kommt, sitzt irgendwann der Sicherheitsbeauftragte mit am Tisch – und stellt Fragen, die kein Datenblatt beantwortet. Fährt die Maschine unbeaufsichtigt zwischen Staplern? Was passiert auf nassem Boden? Wer wird nachts gerufen, wenn niemand vor Ort ist? Für diesen Artikel haben wir die öffentlich verfügbaren Unterlagen der Maschinen in unserer Flotte und mehrerer weiterer Maschinen gelesen: Datenblätter, Betriebsanleitungen, Hersteller-FAQ und die Konformitätserklärung, die eine Betriebsanleitung tatsächlich vollständig abdruckt. Das Ergebnis ist unbequem und nützlich zugleich. Ein Teil der Sicherheitsfragen lässt sich aus Dokumenten belegen, ein anderer Teil steht nirgends – und die härtesten Einschränkungen formulieren die Hersteller selbst, nicht die Normen. Dieser Artikel ordnet ein, was CE und EN IEC 63327 abdecken, welche Schutztechnik dokumentiert ist und welche Unterlagen Sie vor der Unterschrift anfordern sollten. Die Gefährdungsbeurteilung für Ihren Standort ersetzt er nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die CE-Kennzeichnung ist die Grundlage, keine Freigabe für Ihren Standort: Das aussagekräftige Dokument ist die EU-Konformitätserklärung mit Richtlinien und angewandten Normen. Mehrere Hersteller nennen die maschinenspezifische EN IEC 63327 – darunter Nexaro und Pudu –, die im L50-Handbuch abgedruckte Erklärung nennt sie nicht.
  • EN IEC 63327:2021 gilt für gewerbliche, motorisch betriebene Bodenreinigungsautomaten im Innenbereich, ergänzt die IEC 60335-2-72 und gilt ausdrücklich nicht für Maschinen für korrosive oder explosionsfähige Umgebungen.
  • Die dokumentierte Sicherheitstechnik unterscheidet sich stark: 1,2-m-Warnleuchte plus Projektionslicht beim MT1 Max, Kemaros BlueSpot für Staplerverkehr, mechanische statt optische Absturzsicherung, Absturzsensoren und Not-Aus dort, wo die Handbücher sie zeigen.
  • Die härtesten Grenzen setzen die Hersteller selbst: Kemaro verbietet ATEX-Zonen ausdrücklich, das L50-Handbuch begrenzt den Automatikbetrieb auf 2 % Steigung, und die MT1-Betriebsanleitung beschränkt die Basismaschine auf Innenräume bei 0–40 °C.
01

Die Fragen, die ein Sicherheitsbeauftragter wirklich stellt

In der Praxis fallen die Fragen in vier Gruppen, und sie sind über Lager, Produktion, Handel und Kliniken hinweg bemerkenswert konstant. Erstens: Was passiert bei Kontakt mit Personen und Fahrzeugen? Ein Roboter in der Lagerhalle teilt sich die Gänge mit Fußgängern, Hubwagen und Staplern – und der Stapler ist das asymmetrische Risiko: Der Roboter sieht den Stapler unter Umständen deutlich früher als der Fahrer den Roboter. Zweitens: Wer trägt die Verantwortung im unbeaufsichtigten Betrieb? Autonome Nachtläufe verschieben die Frage von „hält die Maschine rechtzeitig an“ zu „wer wird gerufen, wenn sie nicht weiterfährt“.

Drittens: Erzeugt die Maschine selbst eine Gefährdung? Ein Scheuersaugroboter hinterlässt hinter der Rakel einen dünnen, abtrocknenden Wasserfilm. Das ist eine Rutschgefahr mit Ort und Dauer, und es ist eine Betriebsfrage – Beschilderung, Wegeführung, Abtrockenzeit – die kein Zertifikat für Sie löst. Viertens: die elektrische und mechanische Seite des Andockens. Ladestationen, Entleerungsstationen und ihre Freiflächen sind eigene Betriebsmittel und brauchen einen eigenen Platz in der Beurteilung.

Diese Fragen lassen sich aus Dokumenten beantworten – aber nur teilweise, und je nach Maschine unterschiedlich gut. Was folgt, ist das, was in den öffentlichen Unterlagen dieser Maschinen tatsächlich steht, zitiert und zugeordnet. Wir sind keine Zertifizierungsstelle und geben keine Rechts- oder Konformitätsberatung: Die Gefährdungsbeurteilung für Ihren Standort und die Entscheidung, ob eine Maschine dort fahren darf, liegen bei Ihrem Sicherheitsbeauftragten und Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit. In der Produktion sitzen dabei in der Regel auch Betriebsrat und Versicherer mit am Tisch.

02

CE, EN IEC 63327 – und was ein Performancelevel wirklich aussagt

Die CE-Kennzeichnung ist die Grundlage für jede Maschine, die im EU-Markt in Verkehr gebracht wird – und für sich genommen sagt sie einem Einkäufer wenig. Das Dokument mit Informationsgehalt ist die EU-Konformitätserklärung: Sie nennt Hersteller, exaktes Produkt und Modell, die angewandten Richtlinien und die verwendeten harmonisierten Normen. Eine Maschine unserer Flotte druckt ihre Erklärung direkt in der Betriebsanleitung ab – das Handbuch des CenoBots L50 schließt mit einer Konformitätserklärung für das Produkt „Autonomous Scrubber Dryer“, Modell L50, verweist auf die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG neben der EMV- und der Funkanlagen-Richtlinie und listet die angewandten harmonisierten Normen auf, darunter EN 60335-2-72:2012 und EN 60335-1. Unterzeichnet ist sie mit Datum 31. Juli 2023. Was in dieser Liste nicht steht, ist EN IEC 63327 – und genau auf diese Leerstelle lohnt es sich zu zeigen.

EN IEC 63327 ist die maschinenspezifische Norm für exakt diese Geräteklasse. IEC 63327:2021 (veröffentlicht am 04.05.2021; die britische Übernahme BS EN IEC 63327:2021 folgte am 13.08.2021) trägt den Titel „Automatic floor treatment machines for commercial use – Particular requirements“ und behandelt nach eigener Beschreibung „the safety of powered automatic floor treatment machines intended for commercial use indoors“ für Kehren, Schrubben, Nass- und Trockenaufnahme, Polieren, Wachsauftrag und Shampoonieren. Zwei Sätze ihres Anwendungsbereichs sind für Einkäufer entscheidend. Sie gilt zusätzlich zur allgemeinen Norm für gewerbliche Bodenreinigungsmaschinen: „The requirements given by this standard are applied in addition to the requirements for commercial floor treatment machines in IEC 60335-2-72, as far as applicable.“ Und sie schließt genau die Umgebungen aus, nach denen am häufigsten gefragt wird – sie gilt nicht für „machines designed for use in corrosive or explosive environments (dust, vapour or gas)“.

Mehrere Hersteller nennen diese Norm, zwei davon bei Maschinen, die wir betreiben. Das Datenblatt des Nexaro NR 1700 hält fest, das Gerät „erfüllt die neuste Internationale Norm IEC 63327“ sowie die Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und sei „durch den TÜV Süd zertifiziert“. Pudus CC1-Pro-Deck führt eine „IEC 63327 Certification“ und die Zeile „Compliant with IEC 63327 Standards“. Was fast niemand sonst tut: der Norm ein Performancelevel zuordnen. Adlatus Robotics schreibt auf der offiziellen Produktseite des SR1300, ein Zusammenspiel unterschiedlicher Sensoren erhöhe die Stabilität der Navigation und „bringt die Kollisionsvermeidung auf den Performancelevel D“, „was der internationalen Norm IEC 63327 entspricht“. Das aktuelle Datenblatt 09/2025 wiederholt die Aussage, lässt den Buchstaben aber weg und nennt nur noch ein Performancelevel, das der europäischen EN IEC 63327 entspricht; das überholte englische Datenblatt von 05/2022 hatte „performance level D“ ausgeschrieben. Dasselbe Datenblatt hält fest, dass das Kehrsaugroboter-System CE-zertifiziert ist und dass Lidarsensoren ein sicheres Erkennen von Hindernissen oder Personen sowie das frühzeitige Erkennen von Absätzen, Ebenen und Stufen ermöglichen. Das alles ist Adlatus’ eigene Dokumentation, und wir beurteilen sie ausschließlich anhand dieser Unterlagen.

Was bedeutet der Buchstabe im Klartext? Er bewertet die sicherheitsbezogene Steuerungsfunktion, nicht die Maschine als Ganzes – und er sagt Ihnen nicht, ob diese Bewertung für Ihren Standort ausreicht. Die Grundnorm hinter Performanceleveln, EN ISO 13849-1 („Safety of machinery – Safety-related parts of control systems – Part 1: General principles for design“, Ausgabe 2023), stellt das selbst klar: „This document does not specify the safety functions or required performance levels (PLr) that are to be used in particular applications.“ Im Klartext: Wenn ein Hersteller „Performancelevel D“ angibt, beschreibt er, was die Maschine erreicht. Welches Level Ihre Anwendung erfordert, wird in Ihrer Gefährdungsbeurteilung bestimmt, von dafür qualifizierten Personen – und nicht aus einem Prospekt abgelesen.

03

Warnleuchten und Ausweichverhalten – was tatsächlich dokumentiert ist

Beginnen wir mit der Maschine, die am meisten veröffentlicht. Pudus offizielle Seite zum MT1 Max – einem Kehrroboter, der vollständig trocken arbeitet – schreibt: „Equipped with a 1.2-meter high warning light and a safety projection light, combined with audible and visual alarms, MT1 Max enhances visibility for pedestrians and vehicles, proactively preventing potential risks.“ Dieselben Unterlagen beschreiben eine Personen- und Tiererkennung, die „quickly reacts to sudden ‘pop-out’ movements“, und ein dynamisches Fahrzeugverhalten, bei dem der Roboter „stop to let vehicles pass, pause at lane entrances, or edge aside“. Dazu kommen vollständige IP54-Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser, ein Wassertropfensensor, der einen Schutzmodus auslöst, ein Betriebsbereich von −10 bis 45 °C, das Überfahren von 5 cm hohen Schwellen und 8° Steigfähigkeit. Das ist für diesen Markt eine ungewöhnlich vollständige Sicherheitsbeschreibung. Was Pudu für diese Maschine nirgends veröffentlicht, ist eine Normangabe.

Kemaro – ein Schweizer Hersteller, den wir ausschließlich anhand von Unterlagen beurteilen – geht den umgekehrten Weg: weniger Licht- und Sensormarketing, mehr schriftliche Normdetails. Das offizielle Factsheet zum K900 Gen II beschreibt den BlueSpot als Funktion, die „enhances workplace safety by using a blue light to alert employees and forklift drivers to the robot’s movements – even in areas with limited visibility or beneath conveyor systems“; der kompakte K700 trägt dieselbe Leuchte. Die offizielle FAQ ergänzt „mechanical drop prevention, significantly safer than the optical one“ und ein „self-voltage charger, allowing the charger to be touched without any risk“, nennt IP54 und benennt konkrete Normen für die Komponenten: Der Akku „complies with EN 62133-2:2017“, das Ladegerät mit „IEC 60335-1:2010+A1+A2 and IEC 60335-2-29:2016+A1“. Eine CE-Erklärung ist auf der öffentlichen Website nicht hinterlegt – das Handbuch liegt hinter einem Login. Das ist kein Beleg für eine fehlende CE-Kennzeichnung; es heißt, dass das Dokument angefordert werden muss.

MT1 Max
L50
MT1 MaxWarnleuchte + ProjektionslichtL50Not-Aus, Konformitätserklärung im Handbuch
Piktogramme: 1:1 aus unseren Produkt-Referenzfotos vektorisiert – keine illustrativen Icons.
04

Absturzsensoren, Not-Aus – und das Schweigen zur Lautstärke

Bei der Absturzsicherung teilt sich die Klasse in mechanisch und optisch, und nach dem Unterschied zu fragen lohnt sich. Kemaro gibt an, die Sicherung sei mechanisch, und argumentiert, das sei die sicherere der beiden Varianten. Andernorts ist die optische Lösung die Regel: Pudus offizielle CC1-Broschüre beschriftet im Multi-Fusion-Sensordiagramm einen „Cliff Sensor“ und einen „Bumper Sensor“ und hält fest, der Roboter „can stop at any angle and move away as soon as it encounters obstacles“. Das Datenblatt des Nexaro NR 1700 listet Longrange-Laserdistanzsensor, Stoßfängersensor, acht Absturzsensoren, zwei Magnetfeldsensoren, Wandfolgesensor und Inkrementalsensoren – und gar keine Kamera. SoftBanks Whiz-Datenblatt fasst die Sicherheitsfunktionen als „safety sensors detect and maneuver around people, objects, and cliffs“ zusammen. Was keines dieser Dokumente veröffentlicht, ist die Absturzhöhe, die das jeweilige System zuverlässig erkennt. Wenn es an Ihrem Standort Laderampen, Gruben oder offene Bodenöffnungen gibt, ist das eine Frage an den Hersteller – schriftlich, nicht per Prospekt.

Not-Aus-Schalter sind dort dokumentiert, wo Handbücher existieren. Das L50-Handbuch beschreibt einen gelb-roten Not-Aus-Taster oben auf der Maschinenrückseite; beim Drücken stoppen Fahr- und Bürstenmotor – mit einem Detail, das speziell für Scheuersaugroboter relevant ist: „If the emergency stop button is pressed while the machine is performing a cleaning task, the vacuum motor will briefly run before coming to a stop in order to minimize residual water on the floor.“ Pudus offizielles Komponentendiagramm zum CC1 Pro zeigt ebenfalls einen Not-Aus-Taster, und die CC1-Bedienungsanleitung führt den „Notausschalter“ als Bauteil Nummer eins. Das Datenblatt des SoftBank Whiz beschriftet im Maschinendiagramm einen „Emergency Stop Button“. Gausiums Phantas-Handbuch weist an, zum sofortigen Stopp „the red emergency stop button on the control panel“ zu drücken, und nimmt die Prüfung dieses Tasters in die Routine vor dem Einsatz auf. Die Liste ist damit länger als die zwei Maschinen mit ausführlicher Beschreibung – bei mehreren Marktmaschinen wird der Not-Aus allerdings nur auf Händlerseiten beschrieben, und das ist keine Dokumentation; so behandeln wir es auch nicht.

Eine Angabe fehlt in einer ganzen Produktkategorie, und sie ist sicherheitsrelevant, nicht kosmetisch. Für keinen einzigen der trocken arbeitenden Kehrroboter in unserem Quellenbestand veröffentlicht der Hersteller einen offiziellen Geräuschwert: Pudu keinen für MT1, MT1 Max oder MT1 Vac, Kemaro keinen für K900 Gen II oder K700, Adlatus keinen für den SR1300, CenoBots keinen für den S5. Die einzigen kursierenden Zahlen stammen von einzelnen Händlern und widersprechen sich. Die Scheuersaug- und Saugroboter veröffentlichen dagegen sehr wohl: der CC1 unter 70 dB, der L50 67 dB(A), der Nexaro NR 1700 je nach Modus 49 bis 57 dB(A), der Whiz 62 dB im Normalmodus. Diese Lücke ist relevant für Lärmschwellen und Gehörschutz, für Nachtarbeit und für jeden, der eine Achtstundenschicht neben einer Maschine beurteilt. Wir behandeln sie ausführlich im Kehrroboter-Vergleich – und wir füllen sie nicht mit erfundenen Zahlen.

05

Die Ausschlüsse, die Hersteller selbst formulieren

Die schärfsten Grenzen in diesem Markt ziehen nicht die Normen, sondern die Hersteller selbst – in ihren eigenen Dokumenten, im Klartext. Das deutlichste Beispiel ist ATEX. Kemaro schreibt in der offiziellen FAQ ohne Einschränkung: „The robot is forbidden from working in ATEX zones.“ Und direkt danach: „The robot is forbidden from sweeping flammable or explosive substances.“ Wer gehofft hat, die maschinenspezifische Norm helfe hier weiter, wird enttäuscht: EN IEC 63327 gilt ausdrücklich nicht für Maschinen für korrosive oder explosionsfähige Umgebungen. Zwei unabhängige Dokumente, dieselbe Antwort. Wer Ihnen einen Reinigungsroboter für einen explosionsgeschützten Bereich anbietet, sollte das schriftlich erklären.

Steigungen sind die zweite Grenze, und die Falle ist, dass eine Datenblattzahl und eine Handbuchzahl zwei verschiedene Dinge beschreiben. Die Betriebsanleitung des CenoBots L50 nennt in derselben Sicherheitsliste zwei Werte: „Do not operate manually the machine on the ramp with a gradient exceeding 10%“ und „Do not run it in auto mode on the slope with a gradient exceeding 2%“. Dieselbe Liste untersagt den Betrieb auf einer Steigung im Automatikmodus grundsätzlich. Eine aus einem Datenblatt zitierte 10-%-Rampenangabe sagt also nichts darüber aus, was der Roboter autonom darf – und autonom ist der einzige Modus, der für einen unbeaufsichtigten Nachtlauf zählt. Zum Vergleich: Kemaro nennt für K900 Gen II und K700 eine maximale Rampenneigung von 12 %; ob dieser Wert für den Hand- oder den Automatikbetrieb gilt, ist genau die Frage, die man stellen muss.

Die dritte Grenze ist Außenbereich und Witterung – und dieselbe Produktfamilie kann auf beiden Seiten davon liegen. Der MT1 Max wird von Pudu als Outdoor- und Semi-Outdoor-Maschine positioniert – IP54, Wassertropfensensor, −10 bis 45 °C – und selbst dessen offizielle Seite trägt die Fußnote „Do not perform cleaning tasks in extreme weather“. Beim Basis-MT1 sieht es anders aus: Seine Betriebsanleitung beschränkt die Maschine auf „use only in indoor flat environments“, nicht „outdoors on rough or non-hardened surfaces“, auf 0 bis 40 °C und höchstens 90 % relative Luftfeuchte. Dieselbe Serie, dieselbe Marke, nicht kompatible Einsatzgrenzen. Das L50-Handbuch ist in seiner Verbotsliste ebenso deutlich: „Outdoors. This machine is for indoor use only.“ Es untersagt außerdem den Einsatz „in rooms where explosive or highly combustible substances (e.g., gas, solvents, heating fuel, dust, etc.) are stored or processed“ – womit stillschweigend eine ganze Reihe von Produktions- und Lagerbereichen ausscheidet, die auf einem Grundriss völlig unauffällig aussehen.

06

Die Checkliste für den Einkauf – und die Nass-Realität

Fünf Dokumente klären das meiste, was ein Sicherheitsbeauftragter braucht – und alle fünf lassen sich vor der Unterschrift anfordern. Erstens die EU-Konformitätserklärung für genau das Modell und die Variante, die Sie beschaffen, nicht für die Produktfamilie. Zweitens die vollständige Betriebsanleitung, und zwar vor der Unterschrift statt nach der Lieferung: Wie das L50-Beispiel zeigt, stehen die Einschränkungen im Handbuch, nicht im Datenblatt. Drittens schriftliche Normangaben. Wenn ein Datenblatt EN IEC 63327 nennt, fragen Sie, was die Aussage genau abdeckt: welche Sicherheitsfunktion, auf welchem Level, wie nachgewiesen. Viertens die Ausschlussliste an einer Stelle: ATEX und brennbare Stoffe, Steigungen getrennt nach Betriebsart, Innen- gegen Außenbereich, Temperatur und Luftfeuchte, zulässige Bodenarten. Fünftens das Verhalten im Fehlerfall – Not-Aus, Reaktion bei Hindernisberührung und die Dockingstation.

Das Andocken verdient mehr Aufmerksamkeit, als es üblicherweise bekommt. Laden ist der harmlose Fall; die Selbstentleerung ist der interessante. Adlatus dokumentiert die S1300 als Entleerungsstation mit umzäunter, sensorüberwachter Sicherheitszone, die automatisch aus bis zu 1.450 mm Höhe in einen genormten 1.100-l-Behälter nach DIN EN 840 abkippt, bei 3.500 × 2.000 × 2.000 mm und rund 240 kg. Das ist kein Zubehör für die Ecke. Das ist ein Betriebsmittel mit eigener Stellfläche, eigenen Freiräumen und eigenem Platz in Ihrer Beurteilung – und es lohnt sich, die Fläche von Anfang an einzuplanen.

Dann bleibt die Gefährdung, die der Roboter erzeugt statt vermeidet. Scheuersaugroboter hinterlassen einen dünnen Wasserfilm, der Zeit zum Abtrocknen braucht, und kein Zertifikat organisiert das für Sie: Das sind Beschilderung, Wegeführung und Zeitplanung. Welche Böden Nassreinigung überhaupt vertragen und wie viel Restfeuchte eine Rakel tatsächlich zurücklässt, behandelt unser Scheuersaugroboter-Ratgeber. Dass der L50 seinen Saugmotor nach einem Not-Aus kurz weiterlaufen lässt, um genau diese Restfeuchte zu minimieren, zeigt, dass der Hersteller daran gedacht hat – und es ist die Art Detail, die man nur beim Lesen des Handbuchs findet.

Und schließlich das Betriebsfenster. Beim unbeaufsichtigten Nachtlauf gehen Dokumentation und Realität am weitesten auseinander, denn die Einschränkungen der Maschine gelten auch um drei Uhr morgens, wenn niemand da ist, der sie bemerkt; wir arbeiten das im Leitfaden zum Nachtbetrieb durch. Und falls Sie noch entscheiden, welche Maschinenklasse Sie überhaupt beurteilen – Kehrroboter, Scheuersaugroboter oder Saugroboter, jeweils mit anderem Gefährdungsprofil –, führt welcher Reinigungsroboter zu welchem Betrieb passt die ganze Entscheidung durch. Unser Teil der Arbeit ist, die Unterlagen zu liefern und klar zu sagen, welche Aussagen vom Hersteller stammen und welche geprüft sind. Die Beurteilung selbst bleibt bei Ihrem Sicherheitsbeauftragten – und das ist auch richtig so.

07

Häufige Fragen

Als Maschinen, die im EU-Markt in Verkehr gebracht werden: ja. Für Einkäufer sagt die Kennzeichnung selbst wenig aus; das aussagekräftige Dokument ist die EU-Konformitätserklärung mit Hersteller, exaktem Modell, angewandten Richtlinien und verwendeten harmonisierten Normen. Fordern Sie sie für genau das Modell und die Variante an, die Sie beschaffen. Manche Hersteller drucken sie in der Betriebsanleitung ab – das Handbuch des CenoBots L50 tut das und verweist auf die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG sowie Normen wie EN 60335-2-72. Andere halten das Handbuch hinter einem Login, dann muss das Dokument angefordert werden. Das ist eine Information, keine Rechtsberatung: Die Konformitätsbewertung für Ihren Standort liegt bei Ihrem Sicherheitsbeauftragten.

IEC 63327:2021 mit dem Titel „Automatic floor treatment machines for commercial use – Particular requirements“ behandelt die Sicherheit motorisch betriebener Bodenreinigungsautomaten für den gewerblichen Innenbereich – Kehren, Schrubben, Nass- und Trockenaufnahme, Polieren, Wachsauftrag und Shampoonieren. Ihre Anforderungen gelten zusätzlich zu denen der IEC 60335-2-72 für gewerbliche Bodenreinigungsmaschinen. Ausdrücklich nicht anwendbar ist sie auf Haushaltsgeräte und auf Maschinen für korrosive oder explosionsfähige Umgebungen. Nicht jeder Hersteller nennt sie: Adlatus tut es beim SR1300, während die Konformitätserklärung des CenoBots L50 EN 60335-2-72 und weitere Normen listet, EN IEC 63327 aber nicht.

Mit den hier dokumentierten Maschinen nicht. Kemaro sagt es in der offiziellen FAQ deutlich: Der Roboter darf nicht in ATEX-Zonen arbeiten und keine brennbaren oder explosiven Stoffe aufkehren. Die maschinenspezifische Norm hilft ebenfalls nicht weiter – EN IEC 63327 gilt nicht für Maschinen für korrosive oder explosionsfähige Umgebungen. Auch das Handbuch des CenoBots L50 untersagt den Betrieb in Räumen, in denen explosive oder leicht brennbare Stoffe gelagert oder verarbeitet werden. Wenn ein Anbieter einen Roboter für einen explosionsgeschützten Bereich anbietet, lassen Sie sich das schriftlich geben – mit Nennung der Zone und des Maschinenmodells.

Es ist eine Herstelleraussage über eine sicherheitsbezogene Steuerungsfunktion, kein Urteil über Ihren Standort. Adlatus gibt es für die Kollisionsvermeidung des SR1300 an und schreibt, das Level entspreche der IEC 63327; das aktuelle Datenblatt 09/2025 wiederholt den Verweis auf EN IEC 63327, druckt den Buchstaben aber nicht mehr, während die Ausgabe von 2022 das noch tat. Die Grundnorm hinter Performanceleveln, EN ISO 13849-1, hält fest, dass sie die Sicherheitsfunktionen und die erforderlichen Performancelevel für konkrete Anwendungen nicht festlegt. Welches Level Ihre Anwendung erfordert, wird in Ihrer eigenen Gefährdungsbeurteilung bestimmt, von qualifizierten Personen.

Stärker, als Einkäufer erwarten. Pudu dokumentiert beim MT1 Max eine 1,2 m hohe Warnleuchte und ein Sicherheits-Projektionslicht mit akustischen und optischen Warnsignalen, dazu ein Ausweichverhalten gegenüber Personen, Tieren und Fahrzeugen sowie IP54-Abdichtung. Kemaro dokumentiert die BlueSpot-Warnleuchte für Mitarbeitende und Staplerfahrer, eine mechanische statt optische Absturzsicherung, IP54 sowie Komponentennormen für Akku und Ladegerät. Pudus CC1-Sensordiagramm zeigt einen Absturz- und einen Stoßfängersensor; der Nexaro NR 1700 listet acht Absturzsensoren und keine Kamera; das Whiz-Datenblatt nennt Sicherheitssensoren für Personen, Objekte und Absturzkanten. Not-Aus-Taster sind für den CenoBots L50 und den Pudu CC1 Pro dokumentiert. Kein Hersteller veröffentlicht die Absturzhöhe, die seine Erkennung zuverlässig beherrscht.

08

Quellen

Sehen, statt lesen?

Wir zeigen Ihnen die Maschinen in 30 Minuten an Ihrem Standort — kostenlos und unverbindlich.

Demo anfragen
Pudu MT1 MaxZur Maschine →CenoBots L50Zur Maschine →