Das Leistungsverzeichnis – kurz LV – ist das Dokument, an dem alles andere hängt. Es listet die Flächen nach ihrer Nutzung gruppiert und ordnet jeder Position eine Leistung und einen Turnus zu, dazu Zeitfenster, Zuständigkeiten und Mittel. Es ist Vertragsbestandteil und der Maßstab, an dem Mängel später gemessen werden: Ohne präzises LV gibt es nichts, woran Qualität zu messen wäre. Wie detailliert das wird, zeigt ein öffentliches Beispiel. Das Karlsruher Institut für Technologie sortiert die Gebäude auf Campus Nord und Campus Süd in 17 Hauptraumgruppen – Büroräume, Besprechungs- und Schulungsräume, Sozialräume und Teeküchen, Verkehrsflächen, zwei getrennte Sanitärkategorien, Technikräume und Werkstätten, Labore, Sporthalle, EDV- und Kopierräume, Archive, Treppen, Großküche, Speisesaal, Hörsäle, Bibliotheken und Aufzüge – und gibt jeder Gruppe eigene Leistungskennzahlen und einen eigenen Turnus. So sieht „beschrieben“ aus; nach derselben Logik ist unsere Branchenseite Büros aufgebaut.
In dieser Struktur sitzen die beiden Leistungstiefen, die die Rechnung machen. Das KIT definiert die Vollreinigung als das Abarbeiten „eines genau definierten Leistungsverzeichnisses“, wobei Art und Umfang von der Raumgruppe abhängen. Die Sichtreinigung definiert es über den Zustand: „Der Umfang der Reinigung ist abhängig vom Grad der Verschmutzung. Der minimale Arbeitsumfang bei einer Sichtreinigung beinhaltet die Leerung/Reinigung der Müllbehälter und Aschenbecher, der maximale Umfang entspricht je nach Verschmutzungsgrad dem Leistungsvolumen der Vollreinigung.“ Die veröffentlichte Turnustabelle zeigt das Zusammenspiel: Büroräume einmal voll und viermal sicht pro Woche, Verkehrsflächen zweimal voll und dreimal sicht – und in den Sanitärbereichen, die fünfmal wöchentlich voll gereinigt werden, entfällt die Sichtreinigung ausdrücklich. Gesetzlich definiert ist keiner der beiden Begriffe. Genau deshalb muss der Auftraggeber sie schriftlich definieren.
Zwei Wörter vervollständigen den Satz. Der Reinigungsplan übersetzt das LV in den Alltag: welche Fläche, welcher Wochentag, welches Zeitfenster, welches Team, welches Verfahren, welches Mittel. Der Reinigungsnachweis ist der Rückkanal – die Bestätigung, dass eine geplante Leistung erbracht wurde. Alles zusammen ist das, was Auftraggeber meinen, wenn sie von Reinigungsdokumentation sprechen. In den meisten Objekten ist der letzte Teil bis heute Papier, und dort beginnt das interessante Problem.